„La Boheme“ im heutigen New York

„JuMP“  bringt diesen Sommer Jonathan Larsons erfolgreiches Rockmusical „Rent

Dieses Musical ist der Hammer“: Holger Kaufmann schwärmt von „Rent, dem Rockmusical von Jonathan Larson, das seit 1996 sehr erfolgreich in New York läuft (Larsan starb am Tag der Premiere) und auch als Film seine Fangemeinde hat. Wenn es uns gelingt, das angemessen umzusetzen, dann wird unsere Inszenierung ein besonderes Ereignis“, meint Kaufmann, der, was den bisherigen Probenfortschritt anbelangt, „da sehr zuversichtlichist.

Und damit die anspruchsvolle Aufgabe auch gelingt, hat Kaufmann einen Stab von Profis engagiert, der sich um die Umsetzung der Vorlage kümmert, die zu spielen schon länger Wunsch von Mitgliedern des JuMP-Ensembles ist, die aber bislang in der Vollversion nicht zu haben war. „Die Amateurversion wollten wir nicht, die hätten wir schon früher haben können. Bei „JuMP machen wir aber gerne große Musicals. Und so empfindet es Kaufmann als „Glücksfall, dass im Frühjahr dann doch kurzfristig die „Rechte für die Profifassung“ zu haben waren.

Wir screenen im Februar und März den Markt und schauen, was zu haben ist“, meint Kaufmann, der die Gesamtleitung auch der mittlerweile 16. JuMP“-Produktion innehat. Man habe damals „auch andere sehr reizvolle Musicals in Aussicht gehabt“, sein Favorit beispielsweise sei „Hairspray“ gewesen, auch „Bonnie & Clyde, The Wedding Singeroder „Emil und die Detektive“ seien in Betracht gezogen worden. Und dann wurden plötzlich, weil eine Profibühne sich wohl ein anderes Musical. ausgesucht hat, die Rechte frei. "Das wird's", zeigte sich Kaufmann kurzentschlossen. Die Rechte sind nicht billig zu haben; aber da sei „doch noch ein bisschen was gegangen“, berichtet Kaufmann lächelnd.

Zwei Ehepaare konnte Kaufmann verpflichten fürs künstlerische Leitungsteam. Steffan Bettinger ist bei den Opernfestspielen für die Beleuchtung zuständig, schon letztes Jahr konnte Kaufmann ihn an JuMPbinden. Jetzt ist er dort technischer Leiter; seine Frau Johanna Bettinger macht, oft auch von ihrem Wohnort München aus, die Produktionsleitung.

Und dann war Thomas Luft schon im letzten Jahr Regisseur des „JuMP- Sommernachtstraums“. Kaufmann: „Er hat gezeigt,dass er's kann“. Er sorgt fürs Szenische - leitend und durchaus in Kooperation mit seiner Frau Anja Klawun, die den JuMP'lern auch nicht unbekannt ist.

Das Ehepaar Luft/Klawun tourte in der ersten Jahreshälfte mit „Die pstindurch die Lande; und in die erfolgreiche Inszenierung des Luft'schen Tourneetheaters war auch Stefan Bettinger eingebunden. Da fand ich ein eingespieltes Team vor, eine funktionierende Konstellation – da musste ich einfach zugreifen".

Mit im Leitungsteam sind auch noch Eva Patricia Klosowski, die für die Choreographien sorgt, dazu Cordelia Böhm, die für den gesanglichen Part zuständig ist, sowie Franz Garlik, der für die fünfköpfige Band verantwortlich zeichnet. Garlik ist gebürtiger Giengener, „ein Supertrompeter, ein hervorragender Musiker. Er sorgt für den tragenden musikalischen Sound, meint Kaufmann.

Rent“ spielt im New York der Gegenwart, in einem Loft und auf der Straße, wo eine wie auch immer sich begründende Boheme einen schwierigen und durchaus unterhaltsamen Überlebenskampf führt. Das Geschehen basiert auf Giacomo Puccinis „La Boheme, aber vom Geschehen und von der Musik transformiert ins Hier und Heute der US-Metropole. Da gibt's Obdachlose und Drogensüchtige und sonst auch zunächst mal vielleicht problematische Typen. Puccinis Mimi“ etwa ist hier rauschgiftabhängig. Auch Aids spielt eine Rolle oder Homosexualität. Aber das sei, auch für ein Jugendmusical, letztlich nicht so problematisch:" Auf der Bühne gibt's keinen Sex und da drückt sich keiner die Nadel ins Fleisch", berichtet Kaufmann. „Die Typen sind alle sehr charmant und letztlich sympathisch gezeichnet. Und am Schluss gibt's ohnehin ein Happy End“, so Kaufmann. Denn der Kampf der Leute im Musical für den Erhalt eines Lofts, bewohnt von den beiden Hauptfiguren, einem Filmemacher und einem Musiker, geht gut aus: Der Mensch, der abreisen wollte, macht am Ende einen Rückzieher, Und auch die Liebe vermag sich durchzusetzen.

Auf der Bühne im Rittersaal, die um den Raum des Orchestergrabens vertieft ist, stehen insgesamt etwa 20 Darsteller, die spielen, singen, tanzen. In den Vordergrund aber rücken vier weibliche und vier männliche Figuren: Wir wollen keine Stars und keine Fokussierung auf nur ganz wenige Gestalten“, meint Kaufmann, der mit Nachdruck darauf besteht, dass „JuMP“ schon auch eine pädagogische Funktion zu erfüllen habe.

Die acht im Vordergrund stehenden Akteure sind Dennis Glatzel, der letztes Jahr als bewindelter Liebesgott für Furore sorgte, er spielt hier den Vermieter, einen ehemaligen Loft-Mitbewohner. Jacob Hetzner ist ein Songwriter, Jessica Weber eine Dragqueen (das haben wir ein bisschen entschärft“), Louisa Nock eine  Nachtclubtänzerin, Deborah Dota Rechtsanltin, Laura Schmidt PerformancekünstIerin, Gabriel Klitzing, immerhin Bundespreisträger bei Jugend musiziertim Gesang, gibt einen Regisseur und Dominik Vegh einen Philosophieprofessor.

Premiere ist am 6. August im Rittersaal von Schloss Hellenstein. Ausweichort, bei schlechtem Wetter auch am 8., 9. und 10. August: das Konzerthaus. "Wir sind dieses Jahr nicht in nigsbronn; aber prinzipiell bleibt die wunderbare Bühne am Brenzursprunz eine Option für uns. Mal sehen, was 2015 möglich ist“, meint Kaufmann.

Der Vorverkauf erfolgt über den Ticketshop im Pressehaus.

Manfred Allenhöfer

Heidenheimer Zeitung, 25.07.2014

 

 

Geprobt wird in der "Roten Halle" im WCM-Gelände, wo zuvor auch schon die Opernfestspiele zugange waren. "JuMP" bringt dieses Jahr im Rittersaal das im zeitgenössischen New York spielende Rockmusical "Rent" .